• Sven Wawra

Podcast-Interview mit Grundschullehrerin Nicole Buschmann

Aktualisiert: 15. Mai 2020

Wie digitaler Wandel von Lehrern, Schülern und Eltern angenommen wird.

An Nicoles Schule hat sich in den letzten Jahren viel getan. An den Kollektivunterricht, den Du und ich aus unserer Schülerzeit in der Grundschule kennen, sind mittlerweile individuelle Förderpläne getreten. Diese Individualförderung ist generell für Lehrer ein erhöhter Arbeitsaufwand und war eine besondere Herausforderung in der letzten Zeit. Denn Unterricht in Klassenräumen, wie er bisher stattgefunden hat, musste für rund 2 Monate ruhen und wird jetzt erst langsam für wenige Klassenstufen wieder aufgenommen. Das Gros der Schüler lernt und arbeitet nach wie vor im Home Office.

„Wir Lehrer wussten gar nicht, was auf uns zukommt.“

Hierzu wurde eine digitale Lernplattform etabliert, in die sich sowohl die Lehrenden als auch die Lernenden und ihre Eltern einarbeiten mussten. Autodidaktisch wohlgemerkt, denn Schulungen für die Plattform selbst konnten bisher noch nicht durchgeführt werden.

Das führt unter anderem dazu, dass Nicole einige Schüler eben nicht über die Plattform, sondern per Brief-Post mit den Unterrichtsmaterialien - und natürlich Updates zu den jeweiligen Lernplänen - versorgen muss. Die so wichtige Chancengleichheit der Schüler ist spätestens mit Hinblick auf die immer stärker werdende Nutzung der digitalen Plattform erkennbar gefährdet. Denn hier werden mittlerweile neben den traditionellen Arbeitsblättern auch von den Lehrern eigens für diesen Zweck angefertigte Videos hochgeladen, die den Schülern das Lernen erleichtern und ein Gemeinschaftsgefühl in der Zeit der physischen Isolation erzeugen sollen.

„Die Videokonferenzen mit den Kindern waren die ersten Videokonferenzen meines Lebens.“

Da in diesem Zuge von den Lehrern plötzlich ganz neue Kompetenzen abverlangt wurden, kann Nicole hier von einer heterogenen Leistungsbereitschaft, aber auch -fähigkeit innerhalb ihres Kollegiums berichten. Auch für sie selbst waren nicht nur das Anfertigen von Videos, sondern auch das Abhalten von virtuellen Klassenabenden inklusive Videochat mit der ganzen Klasse ganz neue Erfahrungen. Auf diese Weise mit den Kindern in Kontakt zu bleiben wenn keine andere Möglichkeit zur Verfügung steht, hält die Grundschullehrerin trotz aller Hürden für sehr wichtig:

„Motivation ist für die Eltern ein schwieriges Thema. Die Kinder zu motivieren, fällt dem Lehrer in der Schule da deutlich leichter. Daheim fehlt einfach die Gemeinschaft und der Vergleich mit den anderen.“

An Ende ist aber nicht alles schlecht. Nicole freut sich zwar schon sehr auf den Präsenzunterricht, ist sich aber sicher, einige der neuen, digitalen Werkzeuge auch in Zukunft nützlich einsetzen zu können - nur eben flankierend zum echten Unterricht statt ersetzend.

„Wir nutzen eine Lern-App mit der die Kinder richtig üben können. Das wollen wir auf jeden Fall beibehalten und in unsere Pläne einarbeiten“

Hör dir auf jeden Fall das ganze Interview im Podcast an, es lohnt sich.